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Löschen statt verstecken: Es funktioniert!

Der AK-Zensur (Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur) veröffentlicht ich einer Presseerklärung Ergebnisse einer Aktion bei der Provider (bei denen die Server die auf Internationalen Sperrlisten stehen) gehosted werden automatisiert per Mail angeschrieben wurden. Ergebnis: Einige Inhalte wurden umgehend entfernt, schnelle Reaktion, große Anzahl von falschen Sperren, die Provider wenden sich selbst an die Ermittlungsbehörden und keiner der Provider gab an in der Sache bereits kontaktiert worden zu sein.

Internetsperren nach Chinesischem Vorbild

Der Artikel in der Online Zeit beschreibt schön welche Begehrlichkeiten die Einführung eines Internet Sperrsystems wecken kann. Ich stehe weiterhin auf dem Standpunkt dass die geplanten Internet Sperren nicht dazu geeignet sind den Missbrauch von Kindern oder die Verbreitung von Kinderpornografie zu verhindern, sehr wohl aber ein einen Eingriff in unsere Grundrechte (Zensurverbot) darstellen. Außerdem ist es ein eklatanter Verstoß gegen die Gewaltenteilung (das BKA entscheidet über rechtswidrige Inhalte ganz ohne richterliche Kontrolle). Ganz zu schweigen von den Problemen dass Gefahrenabwehr Landesrecht ist. Es ist symptomatisch für die symbolhafte Wahlkampfpolitik die gerade betrieben wird, dass die Politik nahe Deutsche Kinderhilfe (die vom Deutschen Spendenrat nicht mehr als Spendenwürdig anerkannt ist ) die meisten Spendenflüsse in Projekte reduziert, dafür verstärkt nur noch Lobby Arbeit machen will (wie die Welt berichtet). Mit PR trächtigen Gesetzen läßt sich die Lage der Kinder in Deutschland und den Rest der Welt nicht verbessern. Hier ist vielmehr nachhaltige und zähe Arbeit im Bereich Prävention (Unterstützung der Familien und Therapie der potentiellen Täter), Ermittlung (mehr und qualifizierteres Personal) und vor allem auch Strafverfolgung (mehr Richter, härtere Urteile) notwendig. Das ist teuer - aber wenn man irgendwelchen Zahlen glauben darf - notwendig. Die Online Petition gegen Netzsperren kann noch bis zum 16.06.2009 mitgezeichnet werden. Momentan sind es schon über 84.000 Benutzer, die sich das Verstecken von Problemfällen verbitten.

Presseerklärung der Piratenpartei

Gerade Drübergestolpert:
4. Mai 2009 Die Piratenpartei hat in den letzten beiden Wochen einen bemerkenswerten und erfreulichen Zuwachs an Mitgliedern verzeichnen können. Die aktuelle politische Entwicklung hat zu einem Anstieg um mehr als 100 Mitglieder geführt, womit die Marke von 1000 Mitgliedern inzwischen deutlich übersprungen wurde. Damit zeigt sich die wachsende Bedeutung der Freiheit des Wortes und des Schutzes der informationellen Selbstbestimmung. Europaweit engagieren und organisieren sich immer mehr Bürger in den verschiedenen nationalen Piratenparteien sowie in Bürgerrechtsorganisationen gegen Zensur und die Beschränkung des freien Zugangs zum Internet.
Der komplette Text der Erklärung und das Diagramm der Mitzeichner der Petition gegen die Internetsperren. Einen Spiegel Online Artikel zu dem Thema.

Internet Sperren

Ich habe mich bisher zurückgehalten das Thema Internet Sperren zu behandeln, da ich einen im Netz sehr weitreichenden Konsens feststelle. Aber nur zur Sicherheit möchte ich meinen Standpunkt trotzdem darlegen: Wir brauchen kompetente und konsequente Verfolgung aller schweren Rechtsverstöße (insbesondere Fälle von echter Kinderpornografie) im Netz. Hier geht es aber um die Verfolgung der Betreibern von Servern (und Konsumenten) und nicht der Errichtung einer Filter- und Zensur-Infrastruktur. (Wieso stehen so viele Server aus international bekannten Sperrlisten gerade in Deutschland und wieso werden gerade die Journalisten die dies anprangern von der Polizei durchsucht?) Die Presseerklärung des FITUG finde ich in diesem Zusammenhang gut gelungen. Ebenso verweise ich auf den offenen Brief bei Spreeblick, mit der Bitte an die Politik, in einen offenen Diskurs einzutreten.

Datenschutz bei Bahn und Telekom

Gerade fand auf dem 25C3 (Der jährliche Hauskongress des CCC, 2008 unter dem Motto "Nothing to hide") noch ein Vortrag darüber statt, dass die in Deutschland existierenden Grundsätze zum Datenschutz (insbesondere die einstmals fortschrittlichen Grundsätze zur Informellen Selbstbestimmung) eventuell nicht mehr der Bedrohungslage gerecht werden, und eher kontraproduktiv sind: The Trust Situation Why the idea of data protection slowly turns out to be defective Sandro Gaycken Eine These des Vortrags ist es, dass aktuelle in den Medien breit getretene Datenpannen auch positiv auf das Risikobewusstsein der Bevölkerung wirken. Entsprechend war auch der Datenpannen 2008 Vortrag auf dem 25C3 eine gute Zusammenfassung des Jahres. Und weil ich gerade von Pannen rede: der Spitzel-Skandal bei der DB ist ja grade die prominenteste Panne, aber als politischen Selbstmord muss man wohl die letzte Aktion der DB werten: sie haben Netzpolitik.org abgemahnt wegen Veröffentlichung eines Gesprächsprotokolles (das etwas Licht in die Machenschaften der DB bringt, zum Beispiel die Tatsache dass die Bahn ihre Top Manager und deren Ehepartner hat durchleuchten lassen. Delikaterweise wurden die Ehepartner über die Verkäufe der (verbilligten) Fahrkarten für Angehörige ermittelt). Alle Daten die erhoben werden, werden auch missbraucht... Genauso wie die Telekom hat auch die Bahn keinerlei Skrupel auf Bewegungsdaten Ihres Geschäftsbetriebes zuzugreifen (und diese auch noch an Ermittlungsfirmen weiterleiten). Dass die Ermittlungsfirma Network Deutschland GmbH unter anderem Telefonate und Kontenbewegungen durchleuchtet hat legt nahe, dass sie generell an solchen Listen Interesse haben. Update: wie zu erwarten zieht das Thema weite Kreise, bei der TAZ findet sich diese amüsante Zusammenfassung:
Die Bahn legt Wert auf Transparenz. Deshalb stochert sie auch gerne mal in den Privatdaten ihrer Mitarbeiter herum. Wenn es aber um die eigenen Angelegenheiten der Bahn AG geht, sieht es ganz anders aus. Informationen über den jüngsten Datenschutzskandal versucht die Bahn mit juristischen Mitteln zu unterdrücken. Es handele sich hierbei um Geschäftsgeheimnisse, schreiben ihre Anwälte.

Der Community Manager

Der Kontakt zu diversen Gruppen - den Communities - wie Kunden, Mitarbeiter, Partner (Software Entwickler, Handelsvertreter, Berater, Integratoren) und Zulieferer ist für Unternehmen wichtig. Gründe dafür sind Image Marketing, Kundenbindung, besseres Feedback, effizientere Prozesse, einfachere Ausschreibung oder direkteren Zugriff auf das gesammelte Wissen und die Kreativität der Community. Das Internet ist verfügbar und direkt, damit eines der wichtigsten Medien für diesen Kontakt. In den unterschiedlichsten Bereichen - aber vor allem im IT-Sektor - kann der Unternehmenserfolg vollständig von der Pflege zu diesen Communities abhängen. So wird z.B. der frühe Erfolg von Microsoft zum großen Teil der Entwicklerfreundlichkeit zugeschrieben. Dadurch gab es früh eine breite Palette an Anwendungen und eine große Anzahl von Fürsprechern die als Multiplikatoren auftreten. Der Aufbau und die Pflege einer Community ist eine Kunst für sich und lässt sich nur begrenzt erzwingen. Ein offener, persönlicher Umgang mit der Community, das Bereitstellen von Werkzeugen und Schnittstellen und einige weitere Grundsätze und Überlegungen finden sich schon im 1999 verfassten Cluetrain Manifest. Dieses plädiert dazu, dass alle Mitarbeiter des Unternehmens auch ein Sprachrohr des selbigen sind und dass nur Unternehmen die sich der Herausforderung Internet/Community stellen noch einen Markt haben werden. Da aber nicht alle Unternehmen sich komplett umstellen können und eher einen Bedarf an klaren Zuständigkeiten haben hat sich auch schnell die Rolle des Community Managers entwickelt. Seine Aufgaben sind insbesondere die Vermittlung zwischen Unternehmen und Community: Fürsprecher für die Bedürfnisse der Community genauso wie akzeptiertes Sprachrohr des Unternehmens gegenüber der selbstbewusst auftretenden Gruppe. Attribute wie Medienkompetenz, selbstbewusstem Auftreten und auch gewissen Beziehungen sind hierfür unerlässlich. Bei Unternehmen mit Ausrichtung auf die Community werden entsprechend erfolgreiche Mitarbeiter auch schnell zum Voll-Zeit Community Manager - auch wenn es dieses Berufsbild eigentlich noch gar nicht offiziell gibt. Aber wo ein Bedarf nach Regulierung ist, so findet sich gerade in Deutschland auch ein Bundesverband der für die Interessen der Community Manager einspringt. Der Ende letzen Jahres gegründete BVCM (Bundesverband Community Management e.V.) hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt den Community Manager zum anerkannten Ausbildungsberuf zu machen. Persönlich finde ich den Bundesverband sinnvoll und unterstützenswert. Dieses spezielle Ziel allerdings empfinde ich als recht plakative Vision - die für mich kein vorrangiges Ziel wäre. Ein Community Manager benötigt Erfahrung im Umgang mit dem Medium, Seniorität oder Charisma, aber vor allem auch Sachkompetenz. Es ist also allenfalls als Weiterbildung möglich, nach einer langen Karriere im Unternehmen oder nach langem "leben" in einer bestehenden Community.

IT-Gipfel

Im Netzpolitik.org Blog gibt es die Rohfassung eines Kommentars von Markus Beckedahl zum IT-Gipfel, der auch in der TAZ erschienen ist. Im Offiziellen IT-Gipfelblog betrieben durch das HPI Potsdamm gibt es einige Video Interviews. Die ständige Einrichtung soll auch zwischen den (geschlossenen) Gipfeln für einen offenen Diskurs sorgen. Die Anzahl der Twitter Follower zeigt aber anschaulich, dass die Veranstaltung nicht wirklich akzeptiert wurde in der Community. Vermutlich wegen der doch sehr elitären Einladungsveranstaltung.

Oracle EL: Gut Gemeint

Seit einiger Zeit beobachte ich schon, dass Oracle eine Menge Grundlagenartikel zu Linux (zu Oracle Enterprise Linux) in Ihrer Knowledge Base anlegt. Zum beispiel werden alle Linux daemons beschrieben (555093.1 "Linux OS Service: tux"), oder der KB Artikel 559611.1: "Maximum Number of CPU cores Supported by a Single Linux System". Da frage ich mich doch, ob dieser extreme Aufwand der hier (parallel zur Mutterdistribution RHEL und parallel zur Linux Community) getrieben wird irgendwie sinnvoll ist: a) die Informationen sind in der properitären KB versteckt b) die Informationen duplizieren teilweise schon längst erstellte Ressource (insbesondere Manpages) c) ein Großteil der Infos ist Linux spezifisch d) Oracle könnte ihre Ressourcen intern sicher besser einsetzten als jetzt "echter" Linux Distributor zu werden Eventuell hat ja Oracle das Problem Content in der KB bereitstellen zu müssen um Mehrwert verkaufen zu können. Aber selbst dann könnte man doch einen Prozess aufsetzen in dem z.B. ein vorhandenes Dokumentations-Projekt mit Kick-Start Content versorgt wird, und regelmäßig Zwischenstände redaktionell bearbeitet in die Oracle-KB übernommen werden. Damit wäre beiden Seiten gedient. In dem Zusammenhang ist interessant zu sehen, dass Google hier wieder mal sich des Themas annimmt, und Google knol ins leben ruft. Eine Art Community Knowledge-Base - die allerdings irgendwie den Community/wiki Gedanken noch etwas vermissen läßt.

iT Gläubigkeit

Gerade als Arbeiter in der IT Branche wird man vorsichtig, was man den Computern so alles anvertraut (und sich wie in meinem Fall auch oftmals dafür entscheidet ein gewisses Risiko einzugehen). Die Stabilität eines Landes, die Integrität der Wahlen oder generell die Demokratie sollte man keines Falls Rechnern überlassen. Und nicht nur, weil der Umgang mit der Technik schwer ist oder keine Kostenersparnis bringt, sondern auch weil die Wahlhilfe eine wichtige Demokratiefunktion hat. Was geschieht wenn man all dies vergisst, kann man in allen Blogs und in einer Presseerklärung des CCC (via Netzpolitik.org) nachlesen: Schwerwiegende Wahlcomputer-Probleme bei der Hessenwahl - Wahleinsprüche und Nachwahlen erwartet Erschreckend fand ich die Aussage des CCC, dass der fahrlässige Umgang (Lagerung der Geräte bei Parteifunktionären) ein Szenario war, das man sich selbst bei den Datenschützern nicht vorstellen konnte. Update: Die Massenmedien sind auf die Vorfälle nicht groß angesprungen. Bei Focus Online gibt es einen Artikel dazu.